Dieser kleine Pinguin ist Dir sicher schon einmal irgendwo über den Weg gelaufen. Vielleicht weist Du ja auch schon, dass er Tux heißt und das Maskottchen des Betriebssystems Linux ist. Was sich jedoch hinter Linux und dem Begriff Open Source Software verbirgt, war Dir bislang ein Rätsel. Nun ja, auch Rätsel können gelöst werden …
Fangen wir doch mit den folgenden sieben Antworten einfach damit an:
Was heißt Open Source Software (OSS)?
Open Source Software unterscheidet sich von herstellergebundener (proprietärer) Software darin grundlegend, dass der Quellcode – das ist in etwa das was bei einem Haus der Bauplan ist – erhältlich ist. Das bedeutet, dass der Anwender das Programm unabhängig von seinen Autoren in der Regel beliebig verändern, weitergeben und erkannte Schwachstellen oder Fehler veröffentlichen darf. Weil der Quellcode jedem offen zugänglich ist, wird solche Software Open Source Software genannt. Alternativ wird auch der Begriff Freie Software verwendet, der sich auf die Freiheiten des Anwenders bezieht, das Programm einzusetzen, zu verändern und weiterzugeben. Im Vergleich dazu kann der Nutzer ein proprietäres Programm weder prüfen noch verändern. Er kann es noch nicht einmal lesen oder verstehen.
Wann ist eine Software eine Open Source Software?
Es gilt einige Kriterien zu erfüllen, damit sich eine Software "Open Source Software" nennen darf. Bei Open Source Software dürfen Sie im Normalfall:
- untersuchen, wie ein Programm funktioniert, weil Ihnen der Quellcode offen steht.
- auf entdeckte Fehler und Schwachstellen öffentlich hinweisen.
- das Programm den eigenen Bedürfnissen anpassen, verbessern und diese Verbesserungen der Allgemeinheit zugänglich machen.
- Kopien für Andere machen, wobei Sie aber keine Lizenzgebühren verlangen dürfen.
Warum gibt es Open Source Software?
Die Philosophie von Open Source Software geht zurück auf den Grundgedanken des freien Austauschs von Wissen und Gedanken. Software kann, wie auch Ideen, jedem frei zur Verfügung gestellt werden - ohne Verluste. Wird Software weitergeben, entwickelt sie sich wie in einem evolutionären Prozess. Ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie brauchen eine Software, die es aber nicht zu kaufen gibt. Sie müssen also selbst eine Software entwickeln, testen und haben allen Aufwand, den so etwas mit sich bringt. Eigentlich würde es Ihnen aber nichts ausmachen, wenn auch andere das Programm benutzen würden. Im Gegenteil, Sie würden sogar von der Erfahrung und von der Beteiligung weiterer Nutzer profitieren. Grund genug, Ihr Software-Projekt zu beginnen und es sobald wie möglich als Open Source-Projekt zu veröffentlichen. Sie geben dann Ihr Programm für die Verwendung frei und profitieren im Austausch von der zusätzlichen Kapazität und Expertise der anderen Entwickler und Anwender. Dabei kann es Ihnen egal sein, ob nur ein kleiner Teil oder alle Anwender zur weiteren Entwicklung beitragen.
Ist Open Source Software genauso sicher wie proprietäre Angebote?
Ja. Weil viele Programmierer in aller Welt - man nennt sie "Community" oder Entwickler-Gemeinschaft - die Möglichkeit haben, sich den Quelltext der Software anzusehen. So können sie mögliche Probleme rasch erkennen und gegebenenfalls sofort beheben. Denn: Viele Augen sehen viel! Die Entwickler sind normalerweise namentlich bekannt. Keiner von ihnen würde sich gerne nachsagen lassen, er habe schädliche Software programmiert. Bei Open Source Software gibt es zudem immer die Möglichkeit, Warnmeldungen ins Internet zu stellen, wenn Sicherheitslücken gefunden wurden. So existiert praktisch eine Art Frühwarnsystem, das dem Nutzer die Möglichkeit gibt sich abzusichern. Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist, dass Open Source Software bislang selten von Viren befallen wird. Das liegt natürlich zum einen daran, dass sie noch nicht so stark verbreitet ist wie proprietäre Software, aber auch daran, dass sicheres Programmieren und Sicherheitsfunktionen im Bereich der Open Source Software traditionell einen hohen Stellenwert haben. Sicherheitstipp: Bei Open Source Software gilt jedoch das Gleiche wie bei proprietärer Software: Laden Sie nichts einfach aus dem Internet auf Ihre Festplatte. Anbieter stellen in der Regel die Möglichkeit zur Überprüfung der Echtheit des Programmes zur Verfügung. Diese ist z. B. in der Installationsanleitung zu finden. Erst nach erfolgreicher Prüfung sollte man die Software installieren. Einfacher - und für den unerfahrenen Nutzer sicherer - ist es, die Software im Fachhandel käuflich zu erwerben.
Wer ist bei Problemen mit Open Source Software zuständig?
Ist ja alles schön und gut, könnten Sie denken, aber was, wenn ich einmal Probleme mit Freier Software habe. Fühlt sich denn da überhaupt jemand verantwortlich, wenn eigentlich alle mit entwickeln? Keine Sorge, es gibt sogar Untersuchungen die beweisen, dass die Unterstützung für Open Source Software oft besser ist als die für herstellergebundenen Angebote. Anwender erhalten offizielle Unterstützung, wenn Sie das zusammengestellte Software-Paket eines Open Source-Distributors (z.B. SuSE/Novell, Mandrake, etc.) über den Handel kaufen. Experten können allerdings auch komplexe Probleme mit Hilfe der Community schnell lösen. Bei proprietärer Software ist es nötig, erst das Entwicklungsteam des Herstellers zu kontaktieren.
Beispiele für Open Source Software
Inzwischen ist Open Source Software eine anerkannte Alternative zu proprietären Angeboten. Besonders die Europäische Union und zahlreiche öffentliche Verwaltungen unternehmen erhebliche Anstrengungen, um den Einsatz von Open Source Software zu fördern. Auch große Konzerne wie etwa IBM, Hewlett Packard oder Sun sind Förderer von Open Source Software und Entwicklungen. Selbst prominente Hersteller proprietärer Software wie Oracle oder SAP haben zahlreiche Berührungspunkte zur Open Source-Bewegung oder bieten ihre Produkte zumindest auch für das Betriebssystem Linux an. Deshalb gibt es mittlerweile auch viele Programme, die als Open Source Software angeboten werden. Neben Tools für die Programmentwicklung und für die professionelle Betreuung von Servern und Netzwerken gibt es eine Fülle von Anwendungsprogrammen für den täglichen Einsatz im Unternehmen oder anderswo. Einige Beispiele:
- Linux ist ein sehr leistungsfähiges Betriebssystem für eine Vielzahl von Plattformen und ist das Paradebeispiel für ein erfolgreiches Open Source-Projekt. Erfunden hat es 1991 der damals 21-jährige Linus Torvalds. Seither wird es von einer Vielzahl an Entwicklern aus aller Welt weiterentwickelt. Prominentes Beispiel für den Stellenwert von Linux ist der Deutsche Bundestag. Im Serverbereich wird dort Linux und andere Open Source Software eingesetzt.
- OpenOffice.org ist ein freies Office-Programm, das auf Linux- und auf Microsoft-Betriebssystemen läuft. Es beinhaltet alle notwendigen Funktionen wie Textverarbeitung-, Tabellenkalkulation- und Präsentationsprogramm. Die Bedienung ist ähnlich wie bei anderen Office-Programmen und viele Dateiformate einschließlich des Microsoft Office Formates lassen sich damit bearbeiten.
- Der Internetbrowser Mozilla ist ebenfalls für viele verschiedene Betriebssysteme verfügbar. Der Quellcode stammte ursprünglich von Netscape.
- Der Web-Server Apache zählt neben Linux zu den erfolgreichsten Open Source-Projekten. Mehr als die Hälfte aller Web-Server arbeiten mit dieser Software.
Und zum Schluss: Ist Open Source Software immer kostenlos?
Fast immer ja, aber genau hier liegen häufig Missverständnisse in Bezug auf Open Source Software. Man kann die Software kostenlos aus dem Internet beziehen, bezahlt somit nur die Kosten für das Herunterladen. Möchte der Anwender neben der reinen Software aber noch Dienstleistungen wie Handbücher oder Support in Anspruch nehmen, so muss er die Zusatzleistungen bezahlen. Diese erhält er z.B. in Form einer gängigen Linux-Distribution (das ist eine Zusammenstellung von Softwarepaketen), die unter anderem im Buchhandel erhältlich ist. Einige Beispiele anderer kostenloser Vertriebsformen sind:
- Freeware ist Software, die kostenlos genutzt werden kann. Andere Kriterien für Freeware gibt es nicht.
- Shareware kann zunächst kostenfrei installiert und verwendet werden. Später kann der Autor für die Nutzung oder für bestimmte Formen der Nutzung Lizenzkosten verlangen. Der Autor verzichtet lediglich auf die Prüfung oder auf Maßnahmen zur Sicherstellung dieser Lizenzzahlungen. Manchmal steht Anwendern bis zur Bezahlung der Lizenzen - also bis zur Registrierung - nur ein reduzierter Funktionsumfang zur Verfügung.

